invisiblescapes 2012

Der Fotograf Daisaku Oozu, der sowohl Fotografie in Osaka wie auch Philosophie in Kyoto studiert hat und jetzt in Yokohama lebt, hatte bisher als Schwerpunkt seiner Arbeit die Themen Landschaft, Meer und Licht. Seine neueste Ausstellung in der galerie son greift diese wieder auf, neuerdings auch in Zusammenhang mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima. Seit 2009 ist es ihm ein wichtiges Anliegen, seine Sorge um heutige Umweltprobleme künstlerisch in die Fotografie zu transponieren. Der Atomreaktorunfall im vergangenen Jahr hat ihn in diesem Bestreben bestärkt. So ist ein Teil der Bilder, die in Berlin zu sehen sein werden, ein Jahr nach der Katastrophe in der betroffenen Präfektur Fukushima aufgenommen worden. Es geht Oozu aber nicht um eine journalistische Perspektive, vielmehr zeigt er Szenerien des Alltags außerhalb des Sperrgebiets.

Der mehrdeutige Ausstellungstitel „Invisiblescapes“ verweist sowohl auf eine versteckte (innere) Landschaft wie auch auf die unsichtbare Strahlung und die sich darin bewegenden und innerlich absentierten Menschen. Die Bilder sind schwarzweiß, deren Licht ist mehrdeutig, gibt keine Tageszeiten zu erkennen und wirkt leicht künstlich. Durch dieses merkwürdige dunkle Licht, Wolken oder Schatten wirken die Motive nie ganz harmlos, immer ist eine latente Bedrohung spürbar. Die Titel verdeutlichen und ergänzen das Unheilvolle, z. B. dasjenige eines in Iitate, Fukushima aufgenommenen Bildes: „Deathly silence in heavily-polluted area“.

Oozu verwendet traditionsreiche Motive wie einen blühenden Kirschbaum oder das Tor zu einem Shinto-Schrein, die geradezu als Symbol für Japan gedeutet werden können, und kontrastiert sie mit der Gegenwart: Unter der Kirschblüte ist statt einer sich vergnügenden Menschenmenge ein aufgetürmter Schutthaufen zu sehen, das Tor zu einem Tempel in Nagasaki ist aufgrund des zweiten Atombombenabwurfs 1945 nur zur Hälfte erhalten und dient als Mahnmal. Die verheerenden Folgen des Reaktorausfalls werden so auch mit den Folgen der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki verglichen.

In „Dumpsite / Niigata City“, 2010 in einer der großen Hafenstädte Japans aufgenommen, blickt ein Mann von einem Café durch eine Glasscheibe auf eine riesige Schutthalde am Meer. Ein Kontrast entsteht zwischen dem verloren wirkenden Menschen à la Edward Hopper und einer radikal veränderten Landschaft, ob sichtbar oder unsichtbar. Eine Landschaft, die in Form von Meer, umgepflügter Erde oder aufgetürmten Trümmern dem Menschen keine Heimat mehr bietet, sondern etwas ganz wesensfremdes ist. Die gezeigten Menschen sind die Opfer: die Anwohner, die ihr Leben inmitten von Ruinen und Chaos stoisch weiterleben und mit der dauernden Bedrohung einer verseuchten Umwelt leben müssen. Ein Ausweg ist nicht in Sicht.

Verena ALVES-RICHTER





"INVISIBLESCAPES" sind Fotoobjekte, die im unsichtbaren Licht entstehen und viele Orte in Japan (inkl. Fukushima) mit allen Dingen, die tief in den Landschaften verborgen liegen, zeigen.

Die Bilder werden in einem unerkennbaren Licht dargestellt, um mit dem scheinbar unbrauchbaren Bereich des Fotos vielseitige Probleme sichtbar zu machen. Möglicherweise ist es ein Protest gegen die Denkweise, sich nur auf den Menschen zu konzentrieren.

2009 habe ich angefangen Objekte zu bearbeiten, basierend auf dem Bewusstsein für die heutigen Probleme. Durch den AKW-Unfall in Fukushima im vergangenen Jahr habe ich mir noch verstärkt Gedanken dazu gemacht.

Ich bin weder ein Journalist noch ein Umwelt-Aktivist. Ich möchte mich lediglich mit diesen Fotos, in denen ich die Landschaft an meinem Geist gespiegelt habe, um die Opfer der Katastrophe kümmern.

Daisaku OOZU



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